Ukrainekrieg zurück im Fokus
Während auf den Kriegsschauplätzen im Nahen Osten angespannte Ruhe herrscht, verschiebt sich der Fokus der Ölmärkte in diesen Tagen zurück auf den Ukrainekrieg. Die überraschende Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Russland würde nach einer Absprache mit den USA umgehend 500 000 Tonnen Diesel exportieren – ein Zugeständnis, das offenbar durch temporäre Sanktionslockerungen der USA erkauft wurde –, führte zu einer leichten Entspannung am Markt. Die Skepsis der Analysten bleibt allerdings beträchtlich, sind solche von Trump ausgehandelten, durchsichtigen Deals meist nicht besonders beständig. Die Absicht dahinter ist offensichtlich: vor den Midterm-Wahlen in den USA müssen die Treibstoffpreise runter, sonst droht den regierenden Republikanern ein Debakel. Auch die von Trump am Wochenende verkündete «Energie-Waffenruhe» zwischen der Ukraine und Russland ist kaum mehr als heisse Luft, denn in Kiew scheint man davon gar nichts zu wissen. Immerhin machte der ukrainische Präsident Selenskyj einmal mehr klar, dass sein Land die Angriffe auf russische Energieinfrastrukturen einzustellen würde, sobald Russland die Angriffe auf zivile ukrainische Ziele beendet.
Der Ölpreis zeigt sich auf hohem Niveau stabil und liegt, wie bereits in der Vorwoche, nach wie vor bei knapp über 100 Dollar: ein Fass der Sorte Brent kostet heute Morgen 103.76 Dollar.

Die ersten 100 Tage als Geschäftsführer von Avenergy Suisse standen im Zeichen des Zuhörens, des Kennenlernens und des Austauschs mit Mitgliedsunternehmen, Behörden, politischen Entscheidungsträgern und Partnerorganisationen. Die zahlreichen Gespräche und Besuche vor Ort haben eindrücklich gezeigt, welche zentrale Rolle unsere Branche für die Schweiz spielt und wie stark sich ihr Umfeld in den vergangenen Jahren verändert hat.
Eine Erkenntnis hat sich dabei besonders bestätigt: Eine sichere Energieversorgung wird oft erst dann wahrgenommen, wenn sie nicht mehr selbstverständlich ist. Solange Menschen mobil bleiben, Unternehmen produzieren können und Gebäude zuverlässig beheizt werden, bleibt die dahinterstehende Leistung meist unsichtbar. Doch genau diese Leistung wird täglich von den Unternehmen unserer Branche erfolgreich erbracht. Die Versorgung der Schweiz mit flüssigen Energieträgern ist eine Grundvoraussetzung für Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität. Sie betrifft sowohl die Mobilität von Personen und Gütern als auch die Wärmeversorgung von Haushalten, Gewerbe und Industrie.
Die ersten Monate haben vor allem gezeigt, mit welcher Professionalität, welchem technischen Know-how und welchem Verantwortungsbewusstsein unsere Mitglieder diese Aufgabe wahrnehmen. Besuche bei Unternehmen, Tanklagern, Logistikstandorten und weiteren Infrastrukturanlagen haben verdeutlicht, wie komplex die Systeme hinter der Energieversorgung unseres Landes sind und wie viele Menschen täglich dazu beitragen, dass sie zuverlässig funktionieren. Besonders beeindruckend ist die Fähigkeit der Branche, Herausforderungen zu bewältigen, die für die Öffentlichkeit oft kaum sichtbar sind: die Sicherung internationaler Lieferketten, die Bewirtschaftung strategischer Reserven, der Betrieb kritischer Infrastrukturen und die Gewährleistung einer zuverlässigen Versorgung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen.
Während geopolitische Entwicklungen oder internationale Marktbewegungen nicht steuerbar sind, gibt es Bereiche, auf die wir direkten Einfluss haben. Dazu gehören insbesondere unsere Infrastrukturen. Raffinerie, Tanklager, Umschlaganlagen, Transportwege und Verteilnetze sind das Rückgrat der Versorgungssicherheit. Es ist entscheidend, diese Infrastrukturen nicht nur zu erhalten, sondern konsequent weiterzuentwickeln. Die Versorgungssicherheit entsteht nicht erst in Krisenzeiten. Sie wird über Jahre aufgebaut und durch kontinuierliche Investitionen gestärkt.
Die Schweiz verfügt bereits heute über flexible und resiliente Logistikketten für flüssige Energieträger sowie über bedeutende Speicherkapazitäten. Während Batterien Energie über Stunden und Speicherseen über Wochen bereitstellen können, ermöglichen Lager für flüssige Energieträger eine Versorgung über mehrere Monate hinweg. Keine absehbare Technologie wird diese Speicherkapazitäten mittelfristig ersetzen können.
Unsere bestehenden Anlagen sind dabei kein Relikt der Vergangenheit. Im Gegenteil: Sie bilden die Grundlage dafür, dass künftig grössere Mengen erneuerbarer Energieträger transportiert, gelagert und verteilt werden können. Die bestehende Infrastruktur ist damit nicht nur ein Pfeiler der heutigen Versorgungssicherheit, sondern auch ein zentraler Baustein der Energieversorgung von morgen. Versorgungssicherheit und Energiewende sind deshalb keine Gegensätze. Die erfolgreiche Transformation wird auf den Kompetenzen, Infrastrukturen und Erfahrungen aufbauen, die heute bereits vorhanden sind. Eine erfolgreiche Energiewende braucht nicht nur neue Technologien, sondern auch die Fähigkeit, bestehende Stärken weiterzuentwickeln und sinnvoll zu nutzen.
Die ersten 100 Tage als Geschäftsführer von Avenergy Suisse haben mir bestätigt, dass die Schweiz über engagierte Unternehmen, hochqualifizierte Fachkräfte und leistungsfähige Infrastrukturen verfügt. Sie haben mir aber auch gezeigt, dass die Energieversorgung unseres Landes in einem zunehmend instabilen und weniger vorhersehbaren Umfeld stattfindet. Umso wichtiger wird es sein, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Resilienz unserer Versorgungssysteme zu stärken und die Planbarkeit der notwendigen Investitionen für die Zukunft sicherzustellen. Darauf werde ich in den kommenden Jahren meinen Hauptfokus legen.
Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit unseren Mitgliedern, Partnern und Stakeholdern fortzusetzen und mit meinem Team dazu beizutragen, dass die Schweiz auch in Zukunft auf eine sichere, resiliente und zukunftsfähige Versorgung für Mobilität und Wärme zählen kann.
Olivier Fantino
Geschäftsführer Avenergy Suisse
Trotz der instabilen Sicherheitslage im Golf haben sich die Rohölexporte durch die Strasse von Hormuz im September deutlich erholt. Mittlerweile fliessen rund 90% der Vorkrisen-Mengen an Rohöl wieder in den internationalen Handel. Raffinierte Produkte aus den Anrainer-Raffinerien jedoch hinken dieser Entwicklung hinterher. Weiterhin fehlen 40% der Diesel- und Kerosinmengen aus dem Golf. Auch die Risiko-Prämien für die Hochsee-Tanker stehen immer noch auf Rekordhöhen.
Geopolitik hält Ölmärkte auf Trab
Die Erwartungen an die diplomatischen Hintergrundgespräche zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran am Rande des New Yorker UNO-Gipfels waren gross. Leider sind die Verhandlungen kurz vor dem Wochenende bereits wieder ins Stocken geraten und die Ernüchterung am Ölmarkt ist spürbar. Dazu kommt die unsichere Lage in Saudi-Arabien: zwar hat das Königreich die vor zwei Wochen attackierte Ost-West-Pipeline zur Freude des Marktes am Dienstag wieder in Betrieb genommen, die unentwegt andauernden Angriffe der Huthi bereiten aber weiterhin Sorgen.
China gehört traditionell zu den grössten Abnehmern iranischen Öls, was den USA seit jeher ein Dorn im Auge ist. Deren Forderungen an Peking sind klar: die Ölimporte aus dem Iran sollen heruntergefahren und damit der wirtschaftliche Druck auf das Regime erhöht werden. Ob US-Präsident Trump bei seinem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping von letzter Woche in dieser Hinsicht Fortschritte erzielt hat, ist zurzeit noch offen. Der Ölpreis ist angesichts dieser unübersichtlichen Weltlage seit letzter Woche wieder um knapp 5 Dollar gestiegen, auf heute Morgen 107 Dollar pro Fass.
Ausserdem: Mit dem von Donald Trump angedeuteten Diesel-Exportverbot schwebt ein gefährliches Damoklesschwert über dem europäischen Dieselmarkt: ein Ende der Dieselimporte aus den USA wäre ein schwerer Schlag für den europäischen Markt. Noch ist allerdings nichts beschlossen und die US-Ölindustrie lehnt das Verbot ab.